20.03.2020
Thomas Lang zur Coronasituation

Liebe Lauferinnen und Laufer,

 

„In der Krise beweist sich der Charakter“ sind Worte von Helmut Schmidt, die uns im Sinne der Corona-Pandemie nun tatsächlich fordern. Mit den landesweiten Ausgangsbeschränkungen, die ab Samstag, 0 Uhr gelten, reagiert die Bayerische Staatsregierung mit einem weiteren Schritt.

Es wäre irrsinnig, wenn wir davon ausgingen, dass unsere Stadt Lauf mit ihren Ortsteilen von der Pandemie verschont bliebe. Wir reden von einer ernsten Lage, in der selbst führende studierte Mediziner und Virologen einräumen müssen, dass sie den Virus nicht vollumfänglich „verstehen“. Es gibt aktuell keinen Impfstoff. An einer Behandlungsmethode wird intensivst gearbeitet – jedoch steht aktuell kein Medikament zur Verfügung. Während wir alle in einer Demokratie davon leben, Entscheidungen und Prozesse kritisch zu hinterfragen, liegt hier eine Sondersituation vor.

Stellen wir fest, was Virologen (u.a. vom Robert-Koch-Institut) als Verhaltenskodex formulierten:

1. Vermeiden Sie unnötige Wege

2. Halten Sie Abstand ( >1,5m), verzichten Sie auf Handschlag und Umarmungen

3. Waschen Sie sich regelmäßig ihre Hände (für mindestens 20 Sekunden mit warmem Wasser und Seife)

4. Vermeiden Sie, sich ins Gesicht zu fassen

Anders als „üblich“ müssen wir diese Regeln nicht hinterfragen, sondern uns schlicht daran halten! Der mündige Bürger sollte das bitte verstehen.

Die Nachrichtenlage ändert sich nicht wöchentlich oder täglich, sondern stündlich. Auch ich habe noch vor Wochen bedenkenlos Hände geschüttelt, unsere Kinder haben vor einer Woche noch – wie selbstverständlich – mit Freunden gespielt und „Oma und Opa“ besucht. Sogar die neuen Stadträte vieler Fraktionen hatten am 16. März noch gemeinsame Fotos mit relativer Körpernähe gemacht. Was heute verantwortungslos erscheint, war vor kurzem noch normal. Das Bedauerliche ist… an solche Entwicklungen müssen wir uns gewöhnen. Wir müssen diese schwierige Lage generationenübergreifend gemeinsam lösen.

Die Menschen in unserer Stadt haben Nachbarschaftshilfen eingerichtet. Viele unserer Gastronomen reagieren mit Lieferservice (kontaktfrei vor die Haustüre stellen). Das sichert einerseits unsere Lebensmittelversorgung, andererseits können deswegen – so hoffe ich es – unsere Restaurants diese schwere Zeit überstehen. Bitte nutzen Sie diese Angebote!! Ich blicke mit Anerkennung nach Röthenbach, wo städtische Mitarbeiter einen Lieferservice anbieten, oder auf die großartige Initiative #n-land-hilft unserer Lokalzeitung. Wir müssen davon ausgehen, dass in Kürze der Stadtbusverkehr eingestellt wird. Deswegen werden diese Angebote umso wichtiger.

Vor Wochen noch haben in den Augen vieler Menschen andere Berufstätige „halt einfach ihren Job gemacht“. Ein erstes gutes Signal ist, dass sich Wertschätzungen aufbauen! Supermarktangestellte und -betreiber, Metzger, Bäcker, Lieferanten und Landwirte gelten plötzlich als systemrelevant. Ich gönne mir den Zwischenruf: „Das waren sie schon immer!“ Dass man an dieser Stelle den Polizisten, Rettungsdienstlern, Ärzten, Arzthelfern, Apothekern, THW-lern und Feuerwehraktiven dankt, ist mehr als angemessen. Auch die Reservisten der Bundeswehr stehen übrigens bereit, um zu helfen. RESPEKT!

Als Sicherheitsbeauftragter des CJT-Gymnasiums weiß ich, dass Übungen und Vorträge zu Katastrophenfällen in „guten Zeiten“ nur mit Nachdruck ernst genommen werden. Ganz in diesem Sinne danke ich dem Landratsamt Nürnberger Land, dass es sowohl über das Gesundheitsamt als auch über den Krisenstab in solchen Situationen für die Bürger vorbereitet ist. Das Gleiche gilt für die Bayerische Staatsregierung.

Gemeinsam mit meinen befreundeten Ärzten Dr.Gerhard Weinzierl und Dr.Martin Seitz gelang es mir, mit MdL Norbert Dünkel und seinem Mitarbeiter Manfred Keilholz eine Erweiterung der Betreuungsregelung auf ministerieller Ebene zu erwirken. Es wäre eine Katastrophe, wenn Arztpraxen in der aktuellen Zeit schließen müssten, weil die Kinder der „Menschen im Brennpunkt“ nicht betreut werden könnten.

Bitte halten wir andererseits auch fest: Je mehr Kinder zuhause bleiben können, desto besser wird das Ziel „Unterbrechung der Infektionskette“ erreicht.

In diesem Zusammenhang müssen wir für viele Freiberufler, Unternehmer und Gewerbetreibende massive Schäden und Probleme befürchten. Die aktuellen Programme werden – davon gehe ich persönlich aus – nicht das Ende der Hilfs- und Konjunkturmaßnahmen darstellen. Andererseits – so sagte es Bundesminister Altmeier leider zurecht – geht es um das über Abgaben eingesammelte Geld der Bürger… und das ist endlich. Ich gehe nicht davon aus, dass wir diese Krise binnen kurzer Zeit wegstecken werden, aber im Sinne von Solidarität und echter Gemeinschaft werden und müssen wir das überstehen. Gemeinsam werden wir vieles meistern. Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, selbstverständlich überparteilich.

Ich habe volles Verständnis für die Sehnsucht nach Biergärten und Festen – das hilft aber leider nichts. Das oberste Ziel ist, dass sich das Corona-Virus langsamer ausbreitet. Damit könnten möglichst alle Patienten behandelt werden. In diesem Sinne #bleibdahoam. Dabei wird auch beschrieben, wie wenig solidarisch Hamsterkäufe und gemütliche Café-Treffen sind. Beispiellose Initiativen wie auf Antenne Bayern, die um 17h jeden Tag zum Klatschen, Hupen, Glocken läuten, Sirenenheulen und Hören der Bayernhymne einladen, werden das Virus nicht vertreiben, Aber – und das wäre ein Anfang – uns zu Wertschätzung und Zusammenhalt vereinen. Nicht physisch, aber seelisch.

 

Ihr und Euer Thomas Lang